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5. Juli 2019

Umweltminister Untersteller weiht schwimmende PV-Anlage der Firma Ossola GmbH ein

Dieses Solarkraftwerk auf dem Wasser einer Kiesgewinnungsstätte wird vom ISTE- und KIWI-Mitgliedsunternehmen Ossola GmbH betrieben; errichtet wurde es von der Erdgas Südwest GmbH als Generalunternehmer. Es soll 800.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und bis zu 70 % der im Kieswerk benötigten elektrischen Energie klimafreundlich liefern. So will man 560 Tonnen CO2-Emissionen vermeiden. Für die rund 150 am Oberrhein in Betrieb befindlichen Baggerseen gilt diese Anlage als Vorzeigeprojekt. Umweltminister Franz Untersteller zeichnete deshalb das Unternehmen als vorbildlich für die Energiewende und als „Ort voller Energie“ aus.

Kiesunternehmer Armin Ossola, der sich auch als Beirat in der Initiative „KIWI – Kieswirtschaft im Dialog am Oberrhein“ engagiert, konnte weit über hundert Gäste auf seinem Betriebsgelände begrüßen. Für sie alle war ein solches schwimmendes Kraftwerk in Deutschland neu. „Derartige Anlagen gibt es bereits in Großbritannien, Frankreich, Japan und China, aber hier sind wir die ersten“, erläuterte Ossola.

Rund 1 Mio. Euro habe er in diese nur zwei Prozent der Seeoberfläche benötigende Solarstromanlage investiert, übrigens ohne Inanspruchnahme öffentlicher Förderungen. „Diese PV-Anlage rechnet sich wirtschaftlich, weil sie einen Großteil der vom Kieswerk benötigten 1,2 bis 1,5 Mio. Kilowattstunden pro Jahr liefern wird. Damit sind wir fast autonom und vor allem beispielhaft klimafreundlich!“ Insbesondere Großgeräte wie Bagger, Brecher und Förderbänder verbrauchten viel Strom. Photovoltaik sei dabei die ideale Energiequelle, denn die sonnenreichen Monate seien gleichzeitig diejenigen, in denen am meisten Kies gewonnen werde.

Den Vorbildcharakter dieses schwimmenden Kraftwerks lobte auch der Umweltminister: „Sie sind die ersten mit solch einer großen Anlage, aber Sie werden nicht lange die einzigen bleiben. Und das ist gut so!“ Dabei dachte er wohl an Ossolas zahlreiche Unternehmerkollegen, die zu Einweihung dieser Anlage erschienen waren und dieses Pilotprojekt genau beobachten. Untersteller kritisierte dabei die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze von 750 KW Leistung bei PV-Anlagen, bevor diese international ausgeschrieben werden müssen. Durch diese Begrenzung bleibe ein erhebliches Potential an möglichen Großanlagen ungenutzt.  Anlagen wie diese auf dem Maiwaldsee könnten deutlich zur Energiewende beitragen. Der Umweltminister kündigte ein Schreiben an den Bundeswirtschaftsminister an mit dem Ziel, diese Regelung zu überdenken. Untersteller zeichnete das Unternehmen und sein schwimmendes Kraftwerk als „Ort voller Energie“ aus und überreichte Armin Ossola eine entsprechende Plakette.

Peter Röhm, Präsident des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (ISTE), in dem der Arbeitskreis KIWI verankert ist, zitierte ein Motto des Ministerpräsidenten Kretschmann: „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben!“ Dies sei hier in vorbildlicher Weise gelungen. Solaranlagen an Rohstoffgewinnungsstätten seien nicht neu und viele ISTE-Mitgliedsunternehmen trügen durch solche Versorgung bereits zu Energiewende und Klimaschutz bei. Die Ossola-Anlage jedoch sorge nochmals für eine neue Qualität, weil sie zudem Flächennutzungskonflikte, etwa mit der Landwirtschaft, vermeide. Sie zeige, dass klimafreundliche Rohstoffgewinnung durchaus möglich sei. Dabei spiele auch die dezentrale Verteilung der Gewinnungsstätten über das Land eine wichtige Rolle, denn sie vermeide lange Transportwege und daraus resultierende Emissionen. Röhm: „Dies alles ist gelebter Klimaschutz!“

Ralf Biehl, Geschäftsführer von Erdgas Südwest, lobte, dass im Gegensatz zu Freiflächenanlagen Installationen auf einem aktiven Baggersee mit keiner anderen Nutzung konkurrieren. Durch die Kühlung des Wassers sei im Vergleich zu Freiflächen- oder Dachanlagen sogar ein Mehrertrag von rund zehn Prozent zu erwarten. Sein Unternehmen sehe in solchen PV-Anlagen in Verbindung mit neuen Speichertechnologien ein enormes Potential.

Armin Ossola rechnet damit, dass sich seine PV-Anlage in etwa sieben Jahren amortisiert haben wird. Strom, den er nicht selber verbrauchen könne in seinem Werk, werde ins öffentliche Netz eingespeist. Sobald Großspeicher verlässlich zur Verfügung stünden, werde er die Anlage durch sie komplettieren. Ziel sei ein autarkes und vollständig klimaneutrales Kieswerk.

Baden TV drehte einen kleinen Film während der Einweihungsfeier. Diesen können Sie sich über folgenden Link ansehen.